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Nachhaltige Geldanlage im Überblick

Nachhaltige Geldanlagen sind …
Produkte und Investmentfonds, die die klassischen Kriterien der Rentabilität, Liquidität und Sicherheit um ökologische, soziale und ethische Aspekte ergänzen.

Der Begriff “nachhaltig” ist zum festen Bestandteil des alltäglichen Sprachgebrauchs geworden und gehört inzwischen zum Repertoire der Finanzwirtschaft: Es gibt kaum eine Versicherung oder Fondsgesellschaft, die sich nicht als “nachhaltig” bezeichnet. In der Geldanlage kann der Begriff für die Vermeidung von Investitionen in Waffen, Rüstung und Kohle, für das Verbot von Kinderarbeit, für die Gleichstellung von Frauen, für die Vergabe von Mikrokrediten in Entwicklungsländern und für jede mögliche Kombination dieser Themen und Anlagestrategien stehen. Eine eindeutige Definition und damit ein verlässliches Maß für die Bewertung der Produkte gibt es nicht.

Eine Struktur lässt sich am ehesten erreichen, wenn man zwei Aspekte voneinander trennt:

1. Nachhaltigkeitsziele (“ESG”)

Anleger stellen sich die Frage, welche Ziele mit einer Investition erreicht werden sollen, damit sie als nachhaltig bezeichnet werden kann. Hierzu zählen insbesondere die Themen Umwelt, Kinderarbeit, Korruption, Waffenproduktion, Bilanzmanipulation und die Frage, ob das mit der Investition gefördert werden soll. Zunehmend hinterfragen Anleger die sozialen Auswirkungen ihrer Anlageentscheidungen.

Mittlerweile gibt es für die Definition der Nachhaltigkeitsziele eine Gruppe von Kriterien, die durch die Abkürzung “ESG” beschrieben wird.

“ESG” (“Environment”, “Social” und “Governance”) beschreibt die drei Kriterien, an denen die Nachhaltigkeit der Unternehmenstätigkeit gemessen wird:

E wie Environment steht für Umweltverträglichkeit. Hierzu zählen alle Kriterien, an denen gemessen werden soll, ob die Unternehmenstätigkeit schädlich oder nützlich für eine gesunde Umwelt ist. In dieses Thema spielen Fragen des CO2-Ausstoßes ebenso wie die nach Klimawandel, Umweltverschmutzung und Abfall, Ressourcenknappheit, Urbanisierung, Gewässerschutz, Artenschutz, Abfallentsorgung, Kreislaufwirtschaft uvm.

S wie Social steht für soziale Faktoren. Hier geht es um Fragen der menschlichen und sozialen Interaktion des Unternehmens mit seinen Mitarbeitern (z.B. Arbeitsbedingungen, Gesundheit und Sicherheit, Chancengleichheit, Kinderarbeit oder Datenschutz), den Gemeinschaften, in denen es tätig ist (z.B. Splittermunition) und mit öffentlichen Stellen (z.B. Korruption).

G wie Governance steht für die Unternehmensführung. Hier geht es um die Prozesse im Unternehmen und dessen Leitung. Hierzu zählen Themen wie Unternehmensethik, solide Managementstrukturen, Rechte der Minderheitsaktionäre, Bilanzierungspraktiken, Mangementvergütung, faire Steuerzahlungen. Bei der Beurteilung von Investitionen in Staaten geht es um die Staatsführung (z.B. Demokratie, Todesstrafe).

ESG ist also keine konkrete Investmentstrategie. Es ist vielmehr ein Werkzeug, um zusätzliche Informationen über Unternehmen zu bekommen.  

Nachhaltigkeitsziele werden also mit ESG definiert und innerhalb der Europäischen Union zur Basis ihrer Gesetzgebung über nachhaltige Investitionen gemacht. In einer im Dezember 2019 veröffentlichten Verordnung wird eine nachhaltige Investition wie folgt definiert:

Es ist eine Investition die

  • zu einem Umweltziel beiträgt (als E wie Environment) oder
  • zu einem sozialen Ziel beiträgt (als S wie Social)
  • und (in jedem der beiden Fälle) die Unternehen, in die investiert wird, gute Unternehmensführung anwenden (also G wie Governance).

Im Rahmen einer UNO-Konferenz, dem United Nations Sustainable Development Sumnit 2015, wurde am 25. September 2015 die sogenannte “Agenda 2030” beschlossen. Sie gilt als das Herzstück der Ziele für nachhaltige Entwicklung und wurde von allen 193 Staaten der Vereinten Nationen unterzeichnet. In den 17 Sustainable Development Goals (“SDGs”) verpflichten sich die Staaten, die Erreichung dieser 17 Ziele über die nächsten 15 Jahre, von 2015 bis 2030 anzustreben.

Jedes der 17 Ziele besteht aus diesr überschriftartigen Zusammenfassung des Ziels sowie zwischen 15 und 19 Subziele, sodass sich insgesamt 17 Ziele mit 169 Subzielen ergeben. So lautet die Zusammenfassung von Ziel 1: “Armut inallen ihren Formen und überall beenden.” Dieses Ziel wird dann in den darauf folgenden Subzielen konkretisiert, z.B.: “1.1 Bis 2030 die extreme Armut – gegenwärtig definiert als der Anteil der Menschen, die mit weniger als 1,25 Dollar pro Tag auskommen müssen – für alle Menschen überall auf der Welt beseitigen.”, “1.4 Bis 2030 sicherstellen, dass alle Männer und Frauen, insbesondere die Armen und Schwachen, die gleichen Rechte auf wirtschaftliche Ressourcen sowie Zugang zu grundlegenden Diensten, Grundeigentum und Verfügungsgewalt über Grund und Boden und sonstigen Vermögensformen, Erbschaften, natürlichen Ressourcen, geeigneten neuen Technologien und Finanzdienstleistungen einschließlich Mikrofinanzierung haben.”

Die Liste der 17 Nachhaltigkeitsziele mit ihren Subzielen hat sich als allgemein anerkannte Zielvorgabe eingebürgert. Sie bilden eine stabile Definitionsbasis und einen Referenzrahmen, innerhalb dessen die Diskussion um einzelne Nachhaltigkeitsthemen geführt werden und die Erreichnung der Ziele gemessen werden kann.

2. Strategien, die zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele eingesetzt werden sollen/ Investmentansätze

Das “Forum Nachhaltige Geldanlagen” (FNG), der Fachverband für Nachhaltige Geldanlagen im deutschsprachigen Raum, unterscheidet die folgenden Strategien:

  • Ausschlusskriterien: Ausschluss bestimmter Investments oder Investmentklassen wie Unternehmen, Branchen oder Länder, wenn diese gegen spezifische Kriterien verstoßen, z.B. Umweltzerstörung, Waffen und Rüstung, Kohle, Menschenrechtsverletzung, Tabak, Kernenergie)
  • Best-in-Class-Anlagestrategie: Auswahl der besten Unternehmen innerhalb einer Branche, Kategorie oder Klasse, basierend auf ESG-Kriterien
  • Engagement: Langfristig angelegter Dialog mit Unternehmen, um deren Verhalten bezüglich ESG-Kriterien zu verbessern (z.B. Stimmrechtsausübung bei Hauptversammlungen, vertrauliche Einflussnahme durch Unternehmensbesuche, schriftliche Stellungnahmen)
  • ESG-Integration: Explizite Integration von ESG-Kriterien bzw. -Risiken in die traditionelle Finanzanalyse
  • Impact Investing: Investitionen in Unternehmen, Organisationen oder Fonds mit dem Ziel, neben finanziellen Erträgen auch Einfluss auf soziale und ökologische Faktoren zu nehmen
  • Nachhaltige Themenfonds: Investitionen in Themen oder Assets, die mit der Förderung von Nachhaltigkeit zusammenhängen und einen ESG-Bezug haben (z.B. Erneuerbare Energien, Umwelttechnik, Wasser)
  • Normbasiertes Screening: Überprüfung nach ihrer Konformität mit bestimmten internationalen Standards und Normen, z.B. dem Global Compact, den OECD-Leitsätzen für multinationale Unternehmen oder den ILO-Kernarbeitsnormen

Zu den beliebtesten nachhaltigen Anlagestrategien gehörten 2018 Ausschlusskriterien mit folgender Top-Ten-Gewichtung (FNG-Jahresbericht 2019)

  1. Arbeitsrechtsverletzungen
  2. Korruption und Bestechung
  3. Menschenrechtsverletzung
  4. Umweltzerstörung
  5. Kohle
  6. Waffen und Rüstung
  7. Tabak
  8. Kernenergie
  9. Pornographie
  10. Alkohol